Gemeinde Eschelbronn

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Geschichte von Eschelbronn

Geschenk Folkrichs in Ascenbrunnen. In Christi Namen im 21. Regierungsjahr von König Karl.

"Ich Folkrich schenke für das Seelenheil der Reginsuinde an den heiligen Märtyrer Nazarius, dessen Leichnam im Kloster Lorsch ruht, das unter der Aufsicht des ehrwürdigen Abtes Richbodo steht, vierzehn Tagewerk Ackerland in der Gaugrafschaft Kraichgau in Aschinbrunnen und in Radinchheim mit gebundenem Halm. Getätigt im Kloster Lorsch. Zeit wie oben."

Mit diesem lateinischen Eintrag ist bereits 789 in den Urkunden des Klosters Lorsch der erste Hinweis auf Eschelbronn zu entdecken. Die Schenkung Folkrichs von 14 Tagewerken umfasste 476 Ar (1 Tagwerk = 3409qm). Vermutlich war der damalige Lehnsherr Folkrich ein reicher Mann und hatte sich nach dem Tod seiner Frau Regisvinde aus Sorge um deren Seelenheil zu dieser Schenkung hinreißen lassen. Ob er allerdings mit seiner Frau jemals in Ascenbrunnen = Eschelbronn gelebt hat, ist nicht nachzuweisen.

Nach dieser ersten Erwähnung im Lorscher Codex wird Eschelbronn erst im 13. Jahrhundert wieder in einer Schriftquelle erwähnt:

1251 erscheint in einer Urkunde des Konrad von Dürn dessen Gefolgsmann Heinrich von Eschelbrunnen als Zeuge. Archäologischen Ausgrabungen zufolge hat er in einem hölzernen Herrenhaus, Keimzelle der späteren Wasserburg, gewohnt. Gegen 1290 gelangte die Ortsherrschaft in die Hände des Bischofs von Speyer, der sich spätestens um 1320/25 auch gegenüber den damaligen Burgbesitzern durchsetzte. Seit dem verliehen Bischof und Hochstift von Speyer bis zum Ende des alten Reichs im frühen 19. Jahrhundert den Besitz von Ort und Burg an zahlreiche Angehörige verschiedener Niederadelsfamilien. Wohl kein zweiter Ort der Meckesheimer Zent hat bezüglich seiner Herren eine derart wechselvolle Geschichte erlebt wie Eschelbronn. Das liegt nicht zuletzt daran,dass hier über längere Zeit Orts-, Burg- und Patronatsherrschaft in jeweils verschiedenen Händen lagen und später zwar zusammenfielen, aber auf verschiedene Familienzweige der jeweiligen Lehensträger aufgeteilt oder wegen deren Aussterben unter entfernten Erben umstritten waren.

Für das Leben der Bewohner von Eschelbronn machte der Wechsel von einem Herrn zum anderen keinen Unterschied, sie  waren Leibeigene, mussten Frondienste verrichten, hatten jährliche Abgaben an ihren Herrn zu entrichten, hatten wie alle Menschen niederer Herkunft zu jener Zeit ein schweres Leben,das nach heutigen Maßstäben bei uns einen Menschenrechtsbeauftragten auf den Plan rufen würde. Einschneidend für die Untertanen war immerhin die Entscheidung des damaligen Ortsherrn Joachim von Seckendorf, sich wie seine reichsritterschaftlichen Nachbarn bereits um 1530/40, dem Luthertum zuzuwenden, obwohl er sein Lehen vom weiterhin katholischen Bischof und Hochstift von Speyer hatte und auch die Kurpfalz als maßgebliche Regionalmacht erst unter Kurfürst Ottheinrich 1556/59 lutherisch wurde. Das in Resten erhaltene Seckendorf´sche Wappen am Turm weist darauf hin, dass Joachim auch die erste Kirche am jetzigen Standort im Ort hat erbauen lassen. 1496 war noch von der "Kirchen in der Wiesen" die Rede, die damals in schlechtem baulichen Zustand war, vermutlich musste sie wegen des im Spätmittelalter stark ansteigenden Grundwasserniveaus im Schwarzbachtal aufgegeben werden, das auch durch die Ausgrabungen im Bereich der ehemaligen Eschelbronner Wasserburg nachgewiesen ist.

1555 erbte Christoph von Seckendorf das Lehen Eschelbronn, starb jedoch schon 1571 ohne männliche Nachkommen. Normalerweise wäre in einem solchen Fall das Lehen an das Speyerer Hochstift zu beliebiger Neuvergabe heimgefallen, jedoch griff nun eine Regelung, die Christophs Großvater aus ganz anderem Grund durchgesetzt hatte: Die drei Töchter beziehungsweise deren Ehemänner waren erbberechtigt.Eine Partei wurde mit anderen Besitzungen abgefunden, die anderen beiden jedoch teilten (von Eltz, Landschad von Steinach) die Ortsherrschaft und unterhielten beinahe 100 Jahre im Wasserschloss jeweils einen eigenen Haushalt. Nach dem Aussterben dieser beiden Linien 1676 brachen Streitigkeiten unter entfernten Erben aus, die 1688 zugunsten der Herren von der Fels entschieden wurden, nach deren Aussterben 1734 aber erneut aufbrachen und erst 1751 zugunsten von Eberhard Dietrich Capler von Oedheim gen. Bautz endgültig entschieden wurden. Der verkaufte bereits 1759, also 8 Jahre nach seinem juristischen Sieg, die Herrschaft Eschelbronn an Karl Philipp von Venningen.

Einer der Lehnsträger in der langen Reihe war Johann-Anton von der Feltz. Seine  besondere geschichtliche Bedeutung beruht auf der Tatsache, dass er im Jahr 1696 Josua Harrsch zum Vikar von Eschelbronn berufen hatte. Mit diesem jungen Vikar sollte er sich den bedeutendsten Vertreter der Auswanderungsgeschichte an Land gezogen haben.

Der Erwerb Eschelbronns durch Karl Philipp von Venningen hat den Eschelbronnern keine Erleichterung beschert, im Gegenteil: für den Bau des neuen Gutshofs, der später den Namen "Schloß" tragen sollte, forderte der neue Vogtsherr Fronarbeit jenseits des erträglichen Maßes; es kam zur offenen Rebellion. Karl Philipp von Venningen sah sich schließlich zu "empfindlichen Zwangsmaßnahmen" veranlasst. Um wieder Disziplin und Ordnung einzuführen ließ er 1763 die vier "Haupträdelsführer" für einige Wochen im Mannheimer Zuchthaus verschwinden. Dazu musste die Gemeinde eine erhebliche Geldbuße bezahlen. Zusätzlich wurde ein Strafkommando von 12 Dragonern mit einem Unteroffizier in Eschelbronn einquartiert, das für Zucht und Ordnung sorgen sollte. Eingeschüchtert versahen die Aufsässigen wieder ihre Frondienste. Doch der Zorn schwelte weiter, die Spannungen zwischen Gemeinde und Herrschaft waren nicht beseitigt. Endlich brachte der ausgehandelte und im Jahr 1765 abgeschlossene Frondenvergleichsvertrag die erhofften Erleichterungen für die Bauern und Tagelöhner.

Karl Philipp starb am 27. August 1797. Er hinterließ nach 37 Jahren Ortsherrschaft eine geordnete Verwaltung seiner Besitztümer. Seiner Genauigkeit in Vermögensdingen verdanken wir den heute noch im Original vorhandenen genauen Ortsplan von unserem Dorf. Darauf ist die Anlage des Ortes, seine Größe, die Durchnummerierung der Häuser und der dazugehörenden Scheunen dargelegt. In der anhängenden Legende findet man die  jeweiligen Besitzer der einzelnen Anwesen.

Im Laufe der Jahrhunderte gingen auch an Eschelbronn die politisch unruhigen Zeiten nicht spurlos vorüber. Die französische Revolution führte in Deutschland zu tiefgreifenden Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Die Länderkarte Deutschlands veränderte sich mit dem Reichsdeputationshauptschluss vom 25. Februar 1803 grundlegend. Die geistlichen Territorien wurden unter weltliche Landeshoheit gestellt, viele Reichsstädte und Reichsritter verloren ihre Unabhängigkeit. So auch die Herren von Venningen und das Hochstift Speyer. Bei der politischen Flurbereinigung der Kurpfalz unter Napoleon wurde Eschelbronn, wie alle Orte der rechtsrheinischen Pfalz, Baden zugewiesen.  Als Getreuer Napoleons machte der zum Großherzog erhobene Markgraf von Baden mit diesem Zuwachs seines Reiches ein ausgezeichnetes Geschäft.

Doch auch positive Teile der französischen Revolution wurden nach deren Vorbild in Deutschland umgesetzt. Umfangreiche Sozialreformen wurden durchgeführt und im Jahr  1807 wurde die Leibeigenschaft abgeschafft. Die in Jahrhunderten eingeschliffenen Verhaltensweisen ließen sich jedoch nur sehr schwer ausmerzen. Erst im Jahr 1820 wurde die Aufhebung der Abgaben der Leibeigenschaft durchgesetzt. Die alten Herren erhielten dafür eine einmalige Entschädigungszahlung.

Die Landwirtschaft war zu jenen Zeiten der Haupterwerbszweig der Bevölkerung. Im 18. Jahrhundert bis Mitte des 19. Jahrhunderts spielte dazu die Leinenweberei eine bedeutende Rolle. Nicht nur zum Hausgebrauch wurde in Eschelbronn gewebt, man verkaufte die Erzeugnisse auch in den Städten, ging dort von Haus zu Haus und versuchte so, seine Ware an die Frau zu bringen, bis dann gegen Ende des 19. Jahrhunderts in Eschelbronn das Schreinerhandwerk mehr und mehr Fuß fasste und unser Ort als Schreinerdorf weit über seine Grenzen bekannt wurde.

Text:
Marliese Echner-Klingmann, Tilman Mittelstraß/Quelle: 1200 Jahre Eschelbronn, J. Friedel 1989/Tilman Mittelstraß: Eschelbronn, Enstehung, Entwicklung und Ende eines Niederadelssitzes im Kraichgau (12. bis 18. Jahrhundert). Forschung und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg, Bd. 17 hrsg.v. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg 1996.

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