Gemeinde Eschelbronn

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Eschelbronner Wasserburg

Die Wasserburg in Eschelbronn

1971 führte das Landesdenkmalamt Baden-Württemberg auf dem Gelände um das inzwischen abgerissene barocke Schloss der Freiherren von Venningen in Eschelbronn Ausgrabungen durch die 1975 abgeschlossen werden konnte. Mehrere Anhaltspunkte lassen vermuten, dass sich östlich des Schlosses Reste älterer Vorgängerbauten im Boden befinden. Vor dem geplanten Bau des Kulturzentrums war dies die letzte Gelegenheit, etwas über die Vorgängeranlagen zu erfahren. Der hohe Grundwasserspiegel hatte bewirkt, dass sich viel organisches Material im Bodenerhalten hat. Mit Hilfe der ergrabenen Schichtenfolge und der Kleinfunde, lässt sich nun die Geschichte des Geländes bis in das späte 12. Jahrhundert, also bis in die Zeit vor der Entstehung der Burg zurückverfolgen. Die Eschelbronner Burg ist das einzige derartige Areal in Baden-Württemberg, das so umfangreich erforscht worden ist. Im Laufe ihrer beinahe 800-jährigen Geschichte hat sich die Burg baulich häufig verändert, die Besitzer haben so oft gewechselt und ihre Behausung ihren persönlichen Bedürfnissen angepasst, sodass eine detaillierte Darstellung den Rahmen dieser Seite sprengen würde. Die Schilderung der Geschichte der Burg in ihren diversen Perioden muss auf das Wichtigste beschränkt bleiben. Die Burg zeichnete sich vor Beginn der Grabungen als kleines Wiesenquadrat im Gelände deutlich ab. In Periode I, bis 1220 scheint das Gebiet lediglich als Weideland, auf dem bestenfalls ein kleineres Gebäude stand, gedient zu haben. Der Schwarzbach ist vermutlich zur damaligen Zeit sehr viel näher an dieser Stelle vorbeigeflossen.

Das Gelände wurde zu Beginn der Periode II künstlich aufgefüllt und erhöht. Ein Holzgebäude wurde errichtet und mit einem Zaun umgeben. Die Bauweise erfolgte in Pfosten- und Schwellbautechnik. Diese Periode war etwa um 1271 zu Ende. In diesem Zeitraum waren die Dünasten von Dürn (über eine Erbtochter des Grafen von Lauffen) im Besitz der Burg. Der 1251 genannte Heinrich von Eschelbronn war durch sie als Ministerialer am Ort eingesetzt worden.

Durch die aus der Zeit um 1300 in Periode IIIa zu Tage geförderten Reste von Kachelöfen und Fensterscheiben aus Flachglas, wird die Burganlage als Adelssitz erkennbar. Für das Hochmittelalter können diese Funde als Statusanzeiger gewertet werden. Die schon in den Perioden I und II fassbare Grundstücksgrenze wurde weiterhin respektiert und zum Teil wieder durch einen Graben markiert, das Gelände ansonsten durch Aufschüttung völlig verändert.

Das Fundament bestand aus ungemörtelten, grob zugerichteten Kalk- und Sandsteinen. Auf dem Steinsockel hatte ein Holzbau bestanden, der in der Technik des Stabbaues errichtet worden war. Nach den Untersuchungen sind die Bäume zu diesem Bau im Winter 1270 geschlagen  worden.Der Holzturm war mehrgeschossig, wobei sich zwei Geschosse archäologisch nachweisen lassen, während das dritte Geschoss und  vom Wehrgeschoss durch Überlegungen und Parallelen mit zeitgenössischen Darstellungen erschlossen werden können. Der Eingang war in 3,60 Meter Höhe angebracht und lag an der Nordseite; die Gesamthöhe des Gebäudes betrug 10 - 12 Meter. Um 1300 bis 1321/24 Periode IIIa, bekam der Turm ein ziegelgedecktes Satteldach, das Erdgeschoss wurde zu Wohnräumen umgebaut, mit Küche, offener Herdstelle und einer kachelofenbeheizten Stube bzw. Kemenate wie sie zuvor in Periode III vermutlich im Obergeschoss vorhanden war.

Dieser Burg durften sich die Besitzer nicht lange erfreuen. Die Untersuchungen ergaben, dass etwa um 1322 ein Brand zum Ende dieser Burganlage führte. Wie der Brand entstanden ist, ist nicht deutlich nachzuweisen. In dem stellenweise 50 cm starken Brandschutt fand sich nicht mehr Kriegsgerät, als das an einem Adelssitz üblich war. Eine Kriegshandlung ist daher unwahrscheinlich. Zieht man den mangelnden Brandschutz der Süd- und Mittelwand um den Kachelofen in Betracht, ist die Ursache des Feuers vielleicht hier zu finden. Auch ein Blitzschlag könnte für das Feuer verantwortlich gewesen sein.

Die Anlage der Periode IV von 1322/25 -  1375 ist sehr viel umfangreicher gebaut. Sie war mit zwei Eingängen versehen und ist in dieser Periode in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts noch als Holzburg zu bezeichnen, da kein wesentlicher Bauteil aus Stein errichtet worden war. Der Grundriss deutet jedoch schon auf die Wasserburg der folgenden Perioden hin. Der Fund eines Brückenbalkens wird auf die Zeit von  Winter 1321/22 bis spätestens Winter 1324/25 datiert. Die Zeit der Periode IV lässt sich somit mit Sicherheit ins 14. Jahrhundert datieren.

1344/45 wird im Speyerer Lehensbuch als Bewohner der Burg der Edelknecht Friedrich von Hettingen genannt. Er starb ohne Nachkommen und so trat Rüdiger von Hettingen, ein Verwandter aus einem anderen Zweig der Familie, das Erbe an. Die Anwesenheit des Rüdiger von  Hettingen konnte anhand des persönlichen Siegelstockes, der bei der Abtragung gefunden wurde, genau belegt werden.

Etwa um 1375 wandelte sich die bis dahin reine Holzburg in eine Wasserburg. Die finanziellen Verhältnisse des  Erbauers, er war der Sohn des Rüdiger von Hettingen, Gerhard d.Ä., (1363 bereits erwähnt, gest. etwa 1400/1401) muss sehr gut gewesen sein. Die Mitgift seiner Frau, einer geborenen Göler von Ravensburg, versetzte ihn in die Lage, die alte Holzburg abreißen und eine überwiegend aus Stein bestehende Burganlage neu errichten zu lassen.  Bei der Gestaltung muss ein erfahrener Baumeister hinzugezogen worden sein.

Noch zu Lebzeiten des Gerhard d.Ä. wurde die Burganlage durch eine Zwingermauer ergänzt und war für den Besitzer ein standesgemäßer Wohnsitz. Er blieb kinderlos und verkaufte 1418 die Wasserburg Eschelbronn an den Ortsherrn in Eschelbronn, Albrecht d.Ä. von Venningen für 1600 Gulden. Auch er hatte sich reich verheiratet mit Christine Eckbrecht von Dürkheim. Sie brachte eine stattliche Mitgift in die Ehe, und Albrecht ließ unverzüglich umfangreiche Umbauarbeiten an der Burg vornehmen. Die Indizien sprechen für einen  Zeitraum von 1418-1421.

Auch um 1420 - 1451, in Periode VI  wurden an der Wasserburg größere Umbauarbeiten vorgenommen. Wie auf der u.a Rekonstruktion deutlich zu sehen, wurde der nord-westlich gelegene Burgeingang vermauert und etwa in die Mitte der westlichen Umfassungsmauer verlegt. Die Zwingermauer wurde mit einem massiven, quadratisch gestalteten Torturm bestehend aus einem über 1 m dicken Mauerwerk aus Buntsandstein versehen, was in deutlichem Kontrast zur Kalksteinmauer des Zwingers stand. Als zweite Maßnahme wurde ein langer Keller in das Hauptgebäude eingebaut.

Wasserburg mit nord-westlichem Eingang
Wasserburg mit nord-westlichem Eingang
Wasserburg mit mittigem Eingang
Wasserburg mit mittigem Eingang

Während der Periode VII von 1451- 1.H.16.Jh  wurde die Burg mit einer flächendeckende Pflasterung aus sorgfältig gesetzten, meist hochkant gestellten Kalksteinen, die sich auf einige Innenräume, aber vor allem auf den Burghof und die Einfahrt erstreckte, ausgestattet.

Als Albrecht d. J. von Venningen 1455 das Erbe von seinem Vater antrat, konnte er eine Wasserburg in Empfang nehmen, die keine Veranlassung zu  nennenswerten Umbaumaßnahmen bot. Sein Vater Albrecht d.Ä. von Venningen hatte auf seine alten Tage noch eine grundlegende Umgestaltung des Schlosses in Angriff genommen, aber deren Fertigstellung vermutlich nicht mehr erlebt. Albrecht d.J. war mit Margarete, geborene von Ramstein verheiratet. Da die beiden kinderlos blieben, gaben sie 1485 ihr Ritterdasein auf und zogen nach Wimpfen in die Stadt. Sie verkauften die Wasserburg mitsamt Dorf  an Graf Ludwig von Bayern, Herr zu Scharfeneck. Damit verlor die Wasserburg in Eschelbronn ihre Bedeutung als bevorzugter Wohnsitz und Zentrum eines niederadligen Herrschaftsbereiches.

Für Ludwig von Bayern stellte sie eines von vielen seinen Besitztümern dar. 1521 verkaufte er schließlich den Besitz an den pfälzischen Marschall Joachim von Seckendorf. Joachim von Seckendorf hatte die Burg erworben in der Absicht, diesen Besitz seiner Tochter Helena, die kurz vor der Verehelichung mit Adam von Helmstadt stand, als Mitgift zu überlassen.

Dem Plan, Helena das Burgareal zu übertragen, machte jedoch das Speyerer Domkapitel einen Strich durch die Rechnung.Die weibliche Erbfolge wurde nur zugelassen, wenn kein männlicher Nachkomme vorhanden war. 1526 gelangte Eschelbronn an Joachim d.J. von Seckendorf. Dieser hatte vermutlich seinen Wohnsitz nicht in Eschelbronn. Die dortigen Güter ließ er durch den 1548 und 1551 genannten Bastian Jäger, genannt Pfeil verwalten.

Zwischen 1511 und 1522 wurde das Burgareal stark verwahrlost, im Laufe dieser Jahre ist sein Schätzwert von 5000 fl auf 1500 fl gesunken,. Die genaue Ursache läßt sich nicht definitiv klären. Vermutlich hat die ablehnende Haltung des Speyerer Domkapitels zur Mitgiftfrage einen großen Teil zur Minderung des Schätzwertes  beigetragen. Außerdem nimmt man an, dass die schweren Schäden am ehesten durch eine Zerstörung entstanden sind. Der einzige Anlass dazu bestand während des Bauernkrieges 1525. Allerdings können diesbezügliche  Vermutungen nicht belegt werden.

Als 1571 Joachims Sohn Christoph von Seckendorf ohne männliche Erben gestorben war fiel das Lehen an zwei Parteien, an die Herren von Eltz-Bliescastell und den Landschad von Steinach. Fortan waren zwei Haushalte auf dem Schloss vorhanden und zeitweise auch von der Herrschaft selbst bewohnt.

Die Familie von Eltz ist in Quellenzeugnissen belegt, denn Ende des 16. Jahrhunderts ließen  Jakob Friedrich von Eltz und seine Frau Helena, geb. von Seckendorf, die neue Eschelbronner Kirche erbauen.1619 entstand  ein Streit
zwischen Herrschaft und Gemeinde. Die Untertanen verweigerten die Ausbesserungsarbeit am Zaun des Schlosshofes und die Pflege des Schlossgartens.Aus den Unterlagen geht hervor, dass die Burg noch mitten im 30-jährigen Krieg als Herrschaftssitz diente, sodass die Annahme, dass die Burg während dieses Krieges verwüstet wurde, nicht aufrecht erhalten werden kann. Der endgültige Verfall setzte erst in den Jahren nach 1676 ein, vermutlich als sich wegen laufender Erbauseinandersetzungen keine der Parteien für den Unterhalt der Schlossanlage verantwortlich fühlte.

1676 starb Jakob Friedrich von Eltz kinderlos. Die mit ihm verwandten Familien Capler von Oedheim genannt Bauz und von der Fels traten in einen erbitterten Rechtsstreit um das Eltz`sche Erbe, der erst 1688 vor dem Reichskammergericht in Wetzlar zugunsten der Familie von der Fels entschieden wurde. Es scheint, dass die Herren von der Fels nachdem sie im Rechtsstreit erfolgreich waren, das Interesse an der Burg verloren und diese als einfache Anlage mit Wohn- und Wirtschaftsflügel wieder aufbauen ließen, diese jedoch nicht als herrschaftliche Bleibe für sich benutzten. Die erste offizielle Besitzübertragung seit dem Tod des Jakob Friedrich von Eltz ist allerdings erst 1714 belegt. Die vier Jahrzente, die zwischenzeitlich verstrichen waren, haben sicher genügt, die Burg dem Verfall preiszugeben.

Das Ende der Periode IX und damit das Ende jeglicher Bebauung im Bereich des Wasserschlosses war 1760. Nach einem erneuten langwierigen Erbstreit kaufte Karl Philipp von Venningen zu Eichtersheim den Besitz dem Gewinner Eberhard Dietrich Capler von Oedheim genannt Bauz ab und nahm unverzüglich den Neubau des Schlossgutshofes in Angriff. Die Steine des Wasserschlosses ließ er dazu abtragen und verwendete sie zum Neubau des Schlosses. Die Ära des Wasserschlosses war zu Ende.

Anmerkung:
Die Besitzverhältnisse der Wasserburg waren nicht immer identisch mit denen des Ortes.. Genaue Angaben sind in unten angeführter Quelle nachzulesen.

Quelle:
Tilman Mittelstraß: Eschelbronn. Entstehung, Entwicklung und Ende eines Niederadelssitzes im Kraichgau (12. bis 18. Jahrhundert). Forschungen und Berichte der Archäologie des Mittelalters in Baden-Württemberg, Bd. 17 hrsg. v. Landesdenkmalamt Baden-Württemberg 1996, Zusammenfassung: Marliese Echner-Klingmann, z.T. wörtlich zitiert.

"Wir danken dem Landesdenkmalamt Baden-Württemberg und Herrn Dr. Tilman Mittelstraß für die Genehmigung zur Veröffentlichung der Rekonstruktionen der Wasserburg in den verschiedenen Perioden."

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