Gemeinde Eschelbronn

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Neues aus der Gemeinde

Amtsblatt Nr. 43 vom 24. Oktober 2019

Friedhofslinde“ musste aus Sicherheitsgründen gefällt werden
 
Die große Linde, die viele Jahrzehnte den Eingangsbereich des Friedhofs prägte, musste jetzt aus Gründen der Verkehrssicherheit gefällt werden. Der Baum war neben der Linde an der Schwarzbach und der Kastanienallee eines der drei Naturdenkmäler im Ort und daher besonders geschützt. So wurden in der Vergangenheit schon umfangreiche Maßnahmen ergriffen, um ihn zu erhalten und nachhaltig zu sichern. Regelmäßig wurden in Absprache mit der unteren Naturschutzbehörde Pflegeschnitte vorgenommen, die Krone wurde mit Stahlseilen gesichert.
Jetzt wurde durch einen vom Regierungspräsidium bestellten Sachverständigen eine massive Verschlechterung bei der Vitalität und Fäule festgestellt und dies wird auch von Fabian Himmelhan, einem „zertifizierten Baumkontrolleur“ bestätigt.
Es ist der „Brandkrustenpilz“, sagt der Fachmann, der den Baum befallen hat.
Dieser verursacht Moderfäule am Baumstamm in Bodennähe und auch an der Wurzel, wodurch ein sicherer Halt nicht mehr gewährleistet ist. Jetzt, wo Herbststürme und Schneelasten drohen, musste gehandelt werden.
Mit großem Schwert rückten Fabian Himmelhan und sein Mitarbeiter Martin Ostrowski an und zerlegten den stattlichen Baum an der Krone beginnend Stück für Stück.
Unterstützt wurden sie von Mitarbeitern des Bauhofs.
 
Himmelhan beschreibt die Linde als einen schnell wachsenden Baum mit gut verarbeitbarem Holz und ihr Alter schätzt er zwischen 90 und 120 Jahren ein. Philipp Butschbacher, Jahrgang 1927 erinnert sich: „Die war schon so groß, als ich noch ein kleiner Bub war, die ist bestimmt 300 Jahre alt“. Die Wahrheit liegt dazwischen, denn die Ortschronik „Eschelbronn – Deine Heimat“ aus dem Jahr 1957 verrät, dass die Linde um 1850 vom Urgroßvater des Landwirts Emil Hauck aus der Oberstrasse gepflanzt wurde, zeitgleich mit der Schwarzbach-Linde.
Demnach wären die Bäume jetzt also 170 Jahre alt.   
Vermutlich wollte Landwirt Hauck mit seiner damaligen Pflanzaktion ein Zeichen setzen:
Die Linde am Friedhof sollte demonstrieren, dass dieser Ort eine Begegnungsstätte der Ruhe, Besinnlichkeit und des Friedens ist. Die Linde an der Schwarzbach setzte er an einem Dreh- und Angelpunkt für die Eschelbronner. Hier befand sich bis Mitte des vorletzten Jahrhunderts eine der wichtigsten Wegkreuzungen nach Meckesheim, Mönchzell, Spechbach und Epfenbach. Hier war Treffpunkt für Jugendliche, Rentner, Kleingärtner und frisch Verliebte, die sich im Schatten der Linde näherkamen.
Im Gemeinderat wird schon seit einiger Zeit eine neue „Friedhofsgesamtkonzeption“ beraten, wo jetzt hinsichtlich einer Ersatzbepflanzung bestimmt eine gute Lösung gefunden wird.
 

Drechsler Bernd Pfister hat sich zwei Stücke einer Astgabel, die noch nicht von der Fäule betroffen waren, gesichert. Aus diesem Holz will er bei der nächsten Kerwe im Schreinermuseum ein paar kleine Kunstobjekte herstellen. „So bleibt wenigstens ein kleiner Teil der Friedhofslinde erhalten“, sagt Pfister.

Eine Anekdote im Zusammenhang mit der Friedhofslinde  weiß noch Philipp Butschbacher zu erzählen: Als einmal eine Gruppe von Japanern das Schreinerdorf besuchte, waren sie von der Linde derart angetan, dass sie dort spontan „Am Brunnen vor dem Tore, da steht ein Lindenbaum, ich träumt in seinem Schatten, so manchen süßen Traum“ anstimmten.
Und das noch auf Deutsch. Die Trauer bei den Japanern wird groß sein, wenn sie erfahren,  dass der Baum jetzt gefällt werden musste.

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